Wer über Geld nichts weiß, zahlt später drauf

Finanzbildung ist für Jugendliche heute zentral. Digitale Zahlungen, Online-Shopping und Social Media erhöhen Chancen, aber auch Risiken. 51 % schätzen ihr Finanzwissen als unzureichend ein. Schule ist der wichtigste Lernort. Finanzbildung stärkt Selbstständigkeit und schützt vor Fehlentscheidungen.

Wer über Geld nichts weiß, zahlt später drauf
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Wer über Geld nichts weiß, zahlt später drauf: Finanzbildung als essenzieller Bestandteil der Schulausbildung

Finanzbildung ist heute eine zentrale Zukunftsfähigkeit, die generationsübergreifend alle Menschen betrifft – unabhängig von Alter, Einkommen oder schulischem bzw. beruflichem Hintergrund. In diesem Beitrag werden speziell Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren angesprochen, um die Bedeutung für diese Zielgruppe zu verdeutlichen. Bevor die wesentlichen Punkte über Finanzbildung erläutert werden, ist zu klären, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Finanzbildung meint, die eigenen finanziellen Möglichkeiten (z. B. verfügbares Geld pro Monat) und Auswirkungen (z. B. ob eine Ausgabe notwendig ist) zu verstehen und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen, die Jugendlichen langfristig ein finanziell stabiles und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Österreich bezieht sich schon 2021 zum Thema Finanzbildung in der Veröffentlichung der Nationalen Finanzbildungsstrategie, die im offiziellen Strategiedokument des Finanzministeriums festgehalten wurde. Die Strategie stützt sich klar auf international anerkannte OECD-Standards und definiert Finanzbildung als eine Kombination aus Bewusstsein, Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen, die notwendig sind, um fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen [1, pp. 17].

Konkret bedeutet dies für Jugendliche: Wenn sie in der Schule frühzeitig lernen, wie Geld funktioniert, welche Ausgaben notwendig sind und welche Chancen ihnen finanzielle Rücklagen eröffnen, entwickeln sie die Fähigkeit, verantwortungsvolle und nachhaltige Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen. Finanzbildung sollte daher kein Zusatzangebot sein, sondern ein grundlegender Bestandteil schulischer Ausbildung, damit junge Menschen ihre Zukunft aktiv, informiert und selbstbestimmt gestalten können. Gleichzeitig führt die hohe Informationsdichte im Internet und in sozialen Medien dazu, dass Jugendliche Schwierigkeiten haben, verlässliche und qualitativ hochwertige Quellen zu erkennen [5].

Die Relevanz zeigt sich besonders im digitalen Wandel: Entscheidungen, ob der Kauf neuer Sneaker, oder doch die getragenen, aber noch funktionalen Schuhe aus der Vorjahreskollektion ausreichend sind, prägen den von Jugendlichen Alltag stärker als früher. Digitalisierung hat dazu geführt, dass Konsumentscheidungen schneller, bequemer und alltäglicher geworden sind. Im Schuhgeschäft nimmt man beim Vorbeigehen Sneaker mit und kauft sie durch kontaktloses Bezahlen, am Nachmittag bestellt man in Online-Shops, und Abosysteme oder In-App-Käufe sind oft selbstverständlich. So fällt vielen Jugendlichen etwa schwer, die Sicherheit verschiedener Zahlungsmethoden einzuschätzen oder rational zu konsumieren [1, pp. 10]. Gleichzeitig sind diese Gruppen jedoch weniger organisiert und handeln risikofreudiger, was Fehlentscheidungen im Konsum wahrscheinlicher macht [2, pp. 17]

In der Schule vermitteltes Finanzwissen könnte hier entgegenwirken und den Jugendlichen zu einem präventiven Schutzmechanismus verhelfen, der Jugendlichen hilft, Risiken zu erkennen, Informationen kritisch zu prüfen, impulsives Konsumverhalten zu vermeiden und Geld als langfristige Investition in ihre Zukunft zu verstehen. Die wachsende Bedeutung von Finanzbildung bringt auch neue Anforderungen an Lehrpersonen mit sich. Neben ihrem regulären Unterricht müssen sie zunehmend als Vermittler:innen für praktische Lebenskompetenzen wie Finanzwissen auftreten [5]. Diese Entwicklungen erhöhen die Anforderungen an die Entscheidungsfähigkeit junger Menschen und heben Bildungsarbeit im Bereich Finanzen auf eine völlig neue Ebene.

Zur Verdeutlichung der Relevanz von Finanzbildung, zeigen folgende empirischen Studien nun, dass Finanzbildung in Österreich maßgeblich für die Entwicklung von Jugendlichen ist:

Der österreichische Jugendbericht zeigt, dass sich viele Jugendliche finanziell nicht ausreichend auf ihre Zukunft vorbereitet, fühlen: 51 % der Jugendlichen sehen ihr Wissen über finanzielle Entscheidungen als unzureichend an [5]. Gleichzeitig geben Jugendliche an, dass die Schule für sie der wichtigste Lernort für Finanzbildung sei. Das verdeutlicht die zentrale Rolle von Bildungsinstitutionen im Sinne der Finanzbildung sowie die Notwendigkeit, Finanzfähigkeiten strukturiert und nachhaltig zu vermitteln.

Die Forschung der Wirtschaftsuniversität Wien erkannte dies schon im Jahr 2023: Zahlreiche Jugendliche können grundlegende Fragen zur Budgetplanung, zu Verträgen oder zur Funktionsweise des Finanzsystems nur eingeschränkt beantworten. Besonders große Unsicherheiten bestehen im Bereich Steuern, Arbeitsverträge, digitaler Zahlungsverkehr und im Einschätzen von finanziellen Verpflichtungen [3, pp. 9-12]. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass Jugendliche klare Anleitung und schulische Unterstützung benötigen, um finanzielle Entscheidungen eigenständig treffen zu können.

Um die Finanzkompetenzen in Österreich nachhaltig zu stärken, braucht es – wie die Nationale Finanzbildungsstrategie betont – qualitätsgesicherte Unterrichtsmaterialien, Fortbildungen für Lehrpersonen, digitale Lernangebote, Kooperationen mit Expert:innen und eine offene Gesprächskultur über Geld [1, pp. 25-28]. Eine wirksame Finanzbildung muss lebensnah, verständlich und zielgruppengerecht sein, damit Jugendliche die notwendigen Kompetenzen erwerben.

Wie oben beschrieben, legt Österreich seit 2021 durch die nationale Finanzbildungsstrategie das Vorhaben offen, Finanzbildung an Jugendliche im Rahmen der Schulbildung zu vermitteln. Dennoch besteht auch im Vergleich der Forschung der WU im Jahre 2023 [3] zu den Äußerungen im WKO Artikel Geld macht Schule, aus 2025 [5] noch weiterhin erheblicher Entwicklungsbedarf, um Finanzbildung österreichweit systematisch und didaktisch qualitätsgesichert allen Jugendlichen zu ermöglichen.

Zusammenfassend, ist Finanzbildung ein wesentliches Element zeitgemäßer Ausbildung an österreichischen Schulen. Finanzbildung soll Jugendlichen ermöglichen, ihre Zukunft aktiv, selbstständig und informiert zu gestalten, sie vor möglichen finanziellen Fehlentscheidungen zu bewahren und ihre finanzielle Unsicherheit zu reduzieren. In einer Zeit, in der Finanzentscheidungen komplexer und weitreichender sind, soll Finanzbildung für Jugendliche der Start in eine selbstbestimmte und finanziell kompetente Zukunft sein.

Literaturverzeichnis

[1] Bundesministerium für Finanzen. (2021). Nationale Finanzbildungsstrategie für Österreich. https://www.bmf.gv.at/ministerium/nationale-finanzbildungsstrategie.html (zuletzt zugegriffen, am 22.11.2025)

[2] Fessler, P., Jelovsek, M., & Silgoner, M. (2020). Financial Literacy in Österreich: Ergebnisse des Austrian Survey of Financial Literacy (ASFL). Oesterreichische Nationalbank. https://www.oenb.at/dam/jcr:89f7c02d-0014-48b6-9dfc-7653bc98c492/Fessler_mop_Q3_20_DE_first_view.pdf (zuletzt zugegriffen, am 22.11.2025)

[3] Posch, M., Seeliger, J., & Zejnoski-Utku, M. (2023). Die Finanzbildung von Jugendlichen in Österreich: Wesentliche Herausforderungen und effektive Bildungsmaßnahmen. Institut für Wirtschaftspädagogik, Wirtschaftsuniversität Wien. https://www.jku.at/fileadmin/gruppen/356/Bilder/News/2024/Wipaed-Kongress/3.2_POSCH_et_al.pdf (zuletzt zugegriffen, am 22.11.2025)

 [4] Scoppetta, S. (02.06.2025). Finanzbildung bringt Freiheit. Kurier https://kurier.at/cm/finanzen/studie-finanzbildung-bringt-freiheit/403046627 (zuletzt zugegriffen, am 22.11.2025) 

[5] WKO Tirol. (2025). Geld macht Schule – Finanzbildung für die Zukunft. Bildungsconsulting Tirol. https://www.wko.at/tirol/news/geld-macht-schule (zuletzt zugegriffen, am 22.11.2025)


Vorstellung des Autors

Maximilian Stalzer, BSc

Maximilian Stalzer ist Masterstudent der Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien. In Studium und Praxis beschäftigt er sich intensiv damit, wie wirtschaftliche Inhalte jungen Menschen nachvollziehbar vermittelt werden können und dabei helfen informierte und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, besonders in Hinblick auf zahlreiche finanzielle Berührungspunkte im Alltag und die Rolle von Finanzbildung an Schulen. Neben seinem Studium engagiert er sich als Seminartrainer in verschiedenen Bildungsformaten und erlebt dabei täglich, wie wichtig das Vermitteln finanzieller Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben ist. Sein Ziel ist es, das Finanzwissen von Jugendlichen gezielt zu stärken und aufzuzeigen, warum finanzielle Bildung in einer sich schnell wandelnden, digitalen Zeit essenziell für ihre Zukunft ist.

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